Montag, 2. Juli 2012

12) Straßen in und um Mühlhausen - Teil 4 -

Mühlhausen im 14.Jahrhundert

Mühlhausen im 14. bis 18. Jahrhundert ..

.. hatte in und um der Stadt ein ausgebautes Straßennetz, das aber immer wieder durch die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen beeinträchtigt wurde.
So hatte sich die Freie Reichsstadt im 14. Jahrhundert zu einem wichtigen Verkehrspunkt in Nordthüringen entwickelt und gehörte mit ca. 10.000 Einwohnern damals zu den zwanzig größten Städten Deutschlands. Die wirtschaftliche und politische Macht wurde durch Städtebündnisse mit dem rheinischen Städtebund und im Dreistädtebund Mühlhausen - Erfurt - Nordhausen gefestigt. 


Markt in der Altstadt
Zu den Märkten am Untermarkt und am Obermarkt kamen die Händler oft von weit her und besonders an den beiden Hauptmärkten entstanden mehrere Gasthäuser, wo die Händler ausspannen und übernachten konnten.
Außer den beiden Hauptmärkten gab es beim Obermarkt noch den Fleischmarkt, den Krautmarkt und den Salzmarkt, beim Untermarkt den Topfmarkt, sowie den Kornmarkt und den Viehmarkt. Später kamen dann noch der Pferdemarkt auf dem Blobach und der Wollmarkt auf dem Lindenbühl hinzu.


Hansestadt Mühlhausen
Mühlhausen hatte schon seit dem 13.Jahrhundert enge Beziehungen zur Hanse, einem norddeutschen Städte- und Kaufmannsbund, dem sie dann 1430 beitrat.
Jetzt wurde die Ware nicht nur auf den gut geschützten Hansestraßen, sondern auch auf dem Seewege in die großen Hanseniederlassungen im In- und Ausland transportiert.
Besonders die mühlhäuser Tuchhändler hatten damals Geschäftsbeziehungen  nach Holland, England, Polen und Russland.

Stadtbefestigung im 14.Jh.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand mit der äußeren Stadtmauer eine 6,5 km lange Befestigungsanlage, die jetzt auch die fünf Vorstädte (.. Petri-, Margarethen-, Georgi-, Martini- und Nikolai-Vorstadt..) schützte.
9 äußere Stadttore lagen an den Zugängen zu den Fernstraßen, wie das Äußere Frauentor, das Schaffentor, das Ammertor, das Wagenstedter Tor, das Klingentor, das Bollstedter Tor, das Äußere Erfurter Tor, das Äußere Neupfortentor und das Äußere Felchtaer Tor. An der Harwand lag früher am Ende des Alten Blobachs das sogenannte Kaisertor, durch das man über den Tonberg zum alten Hessenweg kam. Wahrscheiunlich durch die neue Straßenführung über den Galgenberg zum Frauentor, wurde das Tor durch das Schaffentor ersetzt.
An den Straßen von den inneren zu den äußeren Toren wohnten die "Vorstädter", die meist kein volles Bürgerrecht hatten Die übrigen Vorstadtstraßen waren aber damals meist nicht durchgängig bebaut und ein großer Teil der Fläche wurde als Gartenland genutzt 

Inneres und mittleres Erfurter Tor
Die inneren Stadttore hatten inzwischen alle noch ein Vortor erhalten, das durch Zwingermauern mit dem Haupttor verbunden war.
In Kriegszeiten wurden die Tore noch zusätzlich durch stabile Gatter geschützt oder es wurden nur  ein oder zwei Tore benutzt und die anderen mit Mist zugeschanzt.
Die Torwächter wohnten mit ihrer Familie in den Tortürmen, so daß sie Tag und Nacht erreichbar waren. An normalen Tagen wurden die Tore dann bei Sonnenaufgang geöffnet und bei Sonnenuntergang geschlossen. An den mittleren Toren standen Zollhäuschen, in denen der Zollwächter wohnte, der auf ein- oder auszuführende Waren einen Zoll erhob.



trigonometrische Planung
auch für die äußeren Stadttore
Wie die inneren Stadttore wurden damals auch die äußeren Tore nach trigonometrischen Berechnungen angeordnet. So konnte ich zahlreiche Zuordnungen sowohl für alle Kirchen der Stadt, sowie für die Stadttore und andere wichtige Bauten ermitteln.
Hier die Einordnung nach einem gleichschenkligen Dreieck für das Äußere Frauentor und das Äußere Felchtaer Tor von der St.Blasius-Kirche am Untermarkt aus. Ein damals in Mühlhausen angewandtes Prinzip, das auch Bühner in den Mühlhäuser Beiträgen eingehend begründet hat.


Äußeres Frauentor (um 1905)
Das Äußere Frauentor führte von der Petrivorstadt über den Tonberg zum alten Hessenweg.
Altenburg schrieb dazu 1824..:
".. Die Straße führt vom inneren Frauenthor bis ans äußere Thor, welches das höchste Tor in den Vorstädten ist. Durch dieses Thor führet der Weg nach Pfaffenroda, Eigenrieden und in das Hessische. Die äußern Thore waren alle mit starken eichenen .. Fallgattern nach außen versehen, die.. im Fall der Noth .. leicht heruntergelassen wurden. Nach dem Bauernkriege sind die Gatter  in den Verfall gekommen, aber im Anfang des 30jährigen Krieges wieder damit veresehen worden .."
Vom Äußeren Frauentor kam man damals noch am Galgenberg (Schützenberg) vorbei zur Pfafferöder Höhle und vorbei an der Tonbergswarte und am Gut Pfafferode zur Eigenrieder Warte.

Äußeres Erfurter Tor
Zum Äußeren Erfurter Tor schreibt Altenburg..: ".. welches nach Höngeda, Seebach und Erfurt führt, vor einigen Jahren aber abgebrochen .. ist..." Das Tor lag an der ".. Straße vom innern Erfurter Thore bis ans obere.."
(.. wie die Johannisstraße am Blobach erhielt auch die Langensalzaer Straße erst 1876 ihren heutigen Namen. Das Tor war 1823 abgebrochen worden, das Fundament wurde 1991 beim damaligen Straßenbau freigelegt...)
Vom Tor führten früher zwei Wege nach Süden und Südosten. Durch die Erfurter Höhle und vorbei am Katzenturm in den Süden und über den Schadeberg und Ämilienhausen nach Langensalza und Erfurt.

Wagenstedter Tor und Brücke
An der früheren Unstrutfurt entstand im Mittelalter die steinerne Wagenstedter Brücke auf deren Stadtseite das Wagenstedter bzw. Schindertor stand. (.. Die Bezeichnung kam vom nebenan errichteten Schinderhaus, der städtischen Abdeckerei ..)
Auch hier wurde die heutige Sondershäuser Straße als ".. die Straße vom Görmar- bis ans Wagenstedter Thor.." bezeichnet und Altenburg schreibt hierzu..: ".. Durch dieses Thor gehet der Weg nach Windeberg, Saalfeld, Keule, Sondershausen und Nordhausen.." Die mittelalterliche Lange Straße über Tuttensoda in den Norden und die Verbindung nach Ammern wurde aber nicht mehr erwähnt, die waren wohl durch den Bau der Ammerbrücke und der Straße nach Ammern abgelöst worden. 1862 wurde dann das Tor abgerissen, die steinerne Brücke wurde aber erst im 20.Jh. durch eine neue Brücke ersetzt.

alte Karte
des mühlhäuser Gebietes
Auf einer alten Karte des mühlhäuser Gebietes sind zwar die Gewässer, Dörfer und späteren Wüstungen, aber leider keine Straßen aufgezeigt.
Überhaupt war der Gebrauch von Karten noch nicht üblich.. Die Fuhrleute kannten ihre Straßen mit all ihren Tücken.. und die Wandersleute fragten sich nach dem nächsten Ort durch. Für die Abgrenzung zu den anderen Hoheitsgebieten kamen dann Grenzsteine zum Einsatz und an den Straßen kamen die ersten Grenzposten und Warten auf.


Burg Hanstein
Bald nach der Zerstörung der mühlhäuser Reichsburg war ein Teil der früher hier ansässigen Ministerialen ".. der Stadt Feinde geworden .." und besonders die Adligen aus dem Eichsfeld, dem Harzvorland und aus dem Werragebiet überfielen immer wieder das Gebiet der jetzt freien Reichsstadt.
Meist kamen sie als berittene Abteilungen und so wurden mehrere Dörfer, wie Dörna und Hollenbach, Lengefeld, Weida, Windeberg u.a. mehrmals überfallen, beraubt und gebrandschatzt.
Besonders mit den Herren von Hanstein lag die Stadt lange in Fehde.. Die Hansteiner überfielen immer wieder mühlhäuser Gebiet und die Mühlhäuser zogen vor die Burg und zerstörten deren Dörfer.



Gebiet der freien Reichsstadt
Zum Schutz gegen die Überfälle aus dem Eichsfeld wurde nach 1350 im Westen und Norden des Gebietes der Freien Reichsstadt der Landgraben mit 26 km länge und acht Warten an den Fernstraßen angelegt. Die stellenweise doppelte Wall-Graben-Anlage war noch durch einen Knickverhau geschützt.
Folgende Warten schützten die hier durchführenden Fernstraßen..: Die Eigenrieder Warte den Hessenweg, die Dörnasche Warte die Straße nach Heiligenstadt, die Lengefelder Warte die Straße nach Dingelstedt, die Horsmarsche Warte die Straße nach Reifenstein, die Eigenröder Warte die Straße nach Rüdigershagen und die Sollstedter Warte die Straße nach Keula und Nordhausen.
Außerdem standen auf den Anhöhen rings um die Stadt Wachttürme, von denen, wie von den Warten am Landgraben, die Türmer der Stadt vor herannahenden Feinden gewarnt wurden. 

Lengefelder Warte
Die Straßenwarten am Landgraben - hier die heute noch vorhandene Lengefelder Warte - hatten neben dem Wartturm mit dem hochgelegenen Zugang noch ein Wächterhaus und eine Ringmauer, an der es einen äußeren und inneren Schlagbaum gab.
In Friedenzeiten wurde nur der Ein- und Ausgang zum Gebiet der Reichsstadt kontrolliert und ein entsprechendes Wegegeld kassiert. In Kriegszeiten zog sich die Besatzung bei Gefahr auf den Turm zurück, von dem die Stadt durch Feuer bzw. Rauchzeichen oder Böllerschüsse gewarnt wurde. 

Straßen und Warten der Umgebung im 15.Jh.
Während sich die Straßen im Stadtgebiet vom 14. bis 18. Jahrhundert nur wenig änderten und die äußere Stadtmauer jahrhunderte lang die äußere Begrenzung darstellte, änderte sich bei den Fernstraßen doch nach und nach deren Bedeutung.
Einige Straßen, wie die Lange Straße über Tuttensoda in den Norden oder die Südstraße durch die Erfurter Höhle verloren an Bedeutung und wurden durch andere Straßen ersetzt. An Bedeutung gewannen dagegen die neue Straße über die Ammerbrücke nach Ammern oder auch die neue Straße nach Eisenach über das Äußere Neupfortentor.

Wachtturm
Die über 16 Warten auf den Anhöhen rings um die Stadt standen oft auch in der Nähe der alten Fernstraßen, um herannahende Feinde rechtzeitig melden zu können. Nach dem Dreißigjährigen Krieg dienten sie teilweise noch der Jagdaufsicht, wurden aber dann vernachlässigt und wenn sie verfielen, nicht wieder instandgesetzt. Als eine der letzten Warten wurde der Katzenturm an den Katzentreppen im Jahre 1792 abgerissen.
Altenburg nannte 1824 sechzehn Warten, von denen die meisten schon zerfallen waren..:
Eigenrieder Warte, Eichelwarte, Forstbergwarte, Tonbergswarte, Hausenwarte, Abbentalwarte, Horsmarsche Warte, Schalcheröder Warte, Katzenturm, Spielbergswarte, Dorlaer Warte, Mühlhäuser Warte, Warte zu Eichen, Warte am roten Berge, Nützigerodaer Warte, Schadebergswarte..
Pfafferöder Höhle (um 1970)
Auch die meisten Hohlwege rings um die Stadt sind inzwischen verschwunden. Sie entstanden im Mittelalter besonders an Berghängen und heute erinnert noch die Erfurter- und die Pfafferöder Höhle als Straßenbezeichnung an diese alten Wegeführungen.
Aber auch am Bergweg zum Schadeberg, an der Füllscheuer und am Danielsberg an der alten Straße nach Lengefeld gab es solche alten Hohlwege.




Kaufmannswagen am Ausspann
Für die Fuhrleute mit ihren plumpen Kaufmannswagen war es schon beschwerlich auf den alten Fernstraßen. Oft waren es nur bessere Feldwege, die an nassen, morastigen Stellen oft umfahren wurden und so zu fächerförmigen, mehrspurigen "Straßen" wurden.
An den Fernstraßen entstanden dann auch nicht nur in der Stadt Gasthöfe, wo übernachtet und "ausgespannt" werden konnte.


1525 - Bauernheer
1525 zogen dann auch in Nordthüringen die Bauernheere über die Straßen, um gegen ihre Ausbeuter und Unterdrücker zu Felde zu ziehen.
Mühlhausen wurde unter Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiffer zum Zentrum des nordthüringer Bauernaufstandes und im Gehren, an der Straße nach Görmar sammelte sich der "Schwarze Haufen" mit etwa 10.000 Mann zum Zug gegen den Adel und die Kirche.

1525 - Bauernkrieg in Nordthüringen
Zuerst ging es nach Langensalza, dann nach Ebeleben und von dort ins Eichsfeld, wo Burgen und Klöster gestürmt wurden. Ein Teil zog dann wieder nach hause und der Rest traf sich mit den mansfelder Bauern bei Frankenhausen, wo ihnen die vereinigten Fürstenheere eine vernichtende Niederlage bereiteten. Etwa 6.000 Bauern verloren auf dem Schlachtberg ihr Leben und hunderte wurden später noch hingerichtet. Auch in vielen Städten und Dörfern übten die fürstlichen Truppen noch Rache und Mühlhausen musste sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Die "Rädelsführer" wurden hingerichtet und die Stadt sollte neben 120.000 Gulden Strafgeld auch alle anderen Schäden ersetzen.
 Mühlhausen und das Territorium wurde jetzt den Fürsten unterstellt und erst jahrzehnte später wieder in ihre alten Rechte eingesetzt.

Mühlhausen um 1600
Um 1600 hatte sich die Freie Reichstadt wieder erholt.  Handwerk und Handel florierten wieder und über die Straßen zur Stadt kamen wieder Waren aus aller Welt. Mit den über 20 Wassermühlen hatte die Stadt einen guten Grundstock für die gewerbliche Entwicklung und um 1600 gab es über 800 Handwerksmeister  in den verschiedenen Gewerken.
Verheerend hatten sich die verschiedenen großen Stadtbrände und die Pest ausgewirkt, wo tausende Einwohner starben und zum Teil ganze Straßenzüge, besonders in den Vorstädten verödeten.
Ansonsten blieb aber das Straßenbild der Innenstadt fast unverändert, nur die "Neue Gasse" zwischen der Ratstraße und der Linsenstraße war auf dem Gelände des aufgelösten Barfüßerklosters neu entstanden. Offizielle Straßennamen gab es damals noch nicht, aber bereits im 14.Jh. gab es - meist lateinische - Straßenbezeichnungen in alten Urkunden.


Kutsche im 16.-17.Jh.
Auf den Straßen von und zur Stadt war das Reisen jetzt bequemer geworden. Wer es sich leisten konnte, fuhr mit der Kutsche, deren Wagenkasten an Lederriemen beweglich aufgehangen waren.
Trotzdem kam es durch die katastrophalen Wegeverhältnisse zu Rad- und Achsenbrüchen und umgestürtzte Kutschen und Wagen gab es immer wieder.

Aber den größten Teil der Reisenden stellten doch noch die Wanderer, die zu Fuß über die Straßen zogen, denn Reitpferde konnten sich auch nur Begüterte leisten. 


"Thuringische Landtafel" von 1625
Auch auf der Thuringischen Landtafel von 1625 sind zwar die meisten Orte der Umgebung aufgezeigt, aber auch hier fehlt die Straßenführung.
Mühlhausen lag zwar in der Mitte des Reiches, aber die wirtschaftliche Entwicklung fand jetzt im Wesren, Süden und Osten statt und die fürstlichen Residenzen wurden zu Zentren der Macht und Entwicklung im Lande.
Aber dann kam noch etwas, was die freie Reichsstadt und fast ganz Deutschland ins Verderben stürzte..., der Dreißigjährige Krieg... und jetzt war die zentrale Lage in Deutschland für Mühlhausen gar nicht so günstig, denn ständig zogen Truppen aller Herren Länder durch die Stadt und das mühlhäuser Gebiet.


Landsknechtszug im 30-jährigen Krieg
Eingehend wurde in der alten Chronik über den Einmarsch des kaiserlichen Generals Pappenheim mit seiner Armee im Jahre 1632 berichtet. Die Armee kam über den Dachrieder Kopf und der General zog mit einem Teil der Truppen durch das Ammertor in die Margarethenvorstadt ein, besetzte in einem Handstreich das Pfortentor und zog auf das Rathaus, wo er den Bürgermeister und 15 Ratsherren zu Geiseln nahm, weil das hohe "Strafgeld" von 200.000 Talern nicht aufgebracht werden konnte.
Aber nicht nur der Pappenheimer, auch die anderen Truppen die hier durchzogen bzw. sich einquartierten, forderten Geld und Proviant und drangsalierten die Einwohner der Stadt und der Dörfer. Bald traute sich niemand mehr vor die Tore der Stadt und die Bauern versteckten sich vor den marodierenden Soldaten in den Wäldern.

Merianstich von 1642
Auf dem Merianstich von 1642 zeigt sich die Freie Reichsstadt zwar als ein wohlhabendes "festes Städtelein".., aber Ende des Dreißigjährigen Krieges, war die Bevölkerungzahl besonders durch die Pestepidemien auf über die Hälfte geschrumpft.
Nur langsam erholten sich Stadt und Bevölkerung von den Unbillen des Krieges und auch die Wirtschaft kam nur zögerlich wieder in Schwung. Der Hopfen- und Weinanbau waren völlig eingegangen. Mussten Weber, Schuster und Schneider oft um ihre Existenz kämpfen, entwickelte sich jetzt die Gerberei besonders in den Straßen an den Wasserläufen und Straßenbächen.

Plan der "Festung" Mühlhausen - 1762
Der siebenjährige Krieg Preußens gegen das Reich und die verbündeten Franzosen brachte auch für die Freie Reichssadt, die dem Kaiser in Wien direkt unterstand, wieder neue Erschwernisse.
1761/62 besetzten französische Truppen die Stadt und wollten sie zur Festung ausbauen.
Um die gesammte Innenstadt wurden Bollwerke, Schanzen, Palisaden und Gräben errichtet. Zum Schluss blieben nur das Frauentor und das Burgtor offen und alle anderen inneren Tore wurden mit Mist verschanzt.

1762 - Bollwerke am Blobach
Nach dem Abzug der Franzosen kamen dann laufend fremde Truppen durch die Stadt, die ebenfalls Quartier, Proviant und Geld forderten.
Erst nach und nach wurden dann die "Festungsbauten" in den Vorstädten wieder abgetragen und die erheblichen Schäden an der Stadtbefestigung und in den Gärten und Gebäuden beseitigt. Besonders am Blobach, der durch den Festungsbau völlig ruiniert worden war, dauerte die Wiederherstellung einige Zeit.
(.. In der "Festungszeit" mussten durchziehende Truppen aus dem Norden über den Petristeinweg und durch die Zinkengasse zum alten Hessenweg beim Äußeren Frauentor ziehen und auch sonst mussten viele Umwege in Kauf genommen werden, um in und um die Stadt zu kommen ..)  

Mühlhausen um 1790
Ende des 18. Jahrhunderts war Mühlhausen aber wieder die friedliche Ackerbürgerstadt, die zwar durch die ständigen Kriege und Abgaben an das Reich  total verschuldet war, aber wenigstens in ihrer Substanz weitgehend erhalten war.
Übrigens war unter den Franzosen 1762 eine durchgehende Nummerierung der Gebäude in der Stadt eingeführt worden, die straßenweise Nummerierung kam dann erst über hundert Jahre später.

Wandergesellen
Jetzt waren auch die Wandergesellen wieder gefahrlos auf den Straßen unterwegs, denn noch war das alte Zunftrecht voll gültig und die Handwerker entwickelten oft einen bescheidenen Wohlstand.
Aber auch die Bauern aus der Umgebung, die in der Stadt ihre Ware anboten und die Wanderhändler bzw. Trödler waren auf den Landstraßen unterwegs. Längst hatten die Burgen in der Nähe der Straßen ihre Bedeutung verloren und nur im Eichsfeld wurden einige noch als Sitz der Amtsvögte genutzt, die aber dann meist ihren Amtssitz in naheliegende Städte verlegten.
Im Gebiet der freien Reichsstadt Mühlhausen hatten sich keine Burgen erhalten, einige Dörfer hatten aber auch Zugangstore und waren durch Verhaue und Zäune geschützt, die aber dann auch verfielen.



Gebiet der Freien Reichsstadt um 1800
Um 1800 bestand das Gebiet der freien Reichsstadt noch so, wie es vor 300 Jahren gebildet wurde und auch die meisten alten Fernstraßen verliefen noch auf den mittelalterlichen Trassen.
Noch lange standen an diesen alten Straßen öfters steinerne Sühnekreuze, wie z.B. am Windeberger Kreuz.
Im mühlhäuser Gebiet wohnten jetzt 14.815 Einwohner, davon 9.092 in der Stadt. Aber die Zeit des absolutistisch regierenden edlen Rates ging langsam zu ende und 1801 verlor der größte Teil der reichsfreien Städte in Deutschland.im Frieden von Luneville seine Selbsständkeit.

Samstag, 30. Juni 2012

11) Straßen in und um Mühlhausen - Teil 3 -

Mühlhausen im 13.Jh.

Mühlhausen im 12. - 13. Jahrhundert ..

... hatte sich zu einer aufblühenden Königsstadt entwickelt, die Anfang des 13. Jahrhunderts mit einer  2,7 km langen Stadtmauer umgeben wurde.
Die vier Haupttore (Frauentor, Görmartor, Erfurter Tor und Felchtaer Tor), die zu den wichtigsten Fernstraßen führten, wurden durch enge Torpforten (Burgpforte, Alte Pforte und Neue Pforte) ergänzt.


.. eine Neuplanung im 12.-13.Jh. .. ??? ..
Dieser Entwicklung ging aber nach meinen Ermittlungen erst einmal eine neue Stadtplanung voraus.
So entstand mit der neuen Kirchenachse von St.Martini in Görmer über die Marienkirche zur Johanniskirche am Blobach, auch eine neue Planungsachse für die weitere Anordnung von Straßen und auch für die Anlage der späteren Stadtmauer.
Offensichtlich war aber mit dieser neuen Planung der Gedanke der "via triumphalis" ad acta gelegt worden, denn sowohl die neue Stadtmauer, wie auch andere Straßenführungen (Holzstraße) wichen von dem ehemaligen Konzept ab.
War der Wechsel der Königshäuser oder der Angriff Heinrich des Löwen im Jahre 1180 daran Schuld..?? Denn die Chronik berichtete, das der Löwe die Stadt damals "mehrenteils verbrannte".

.. neue Ausrichtung der Straßenplanung ..
 Jetzt erhielt die Marienkirche ein neue Ost-West-Ausrichtung und zu dieser neuen Planungsachse wurden weitere Straßen u.a. paralell oder rechtwinklig angeordnet. 
 So führte jetzt der neue Steinweg auf einer paralell verlaufenden Linie, die vom Frauentor zum Görmartor verlief und auch ein ganzes Stück der südlichen Stadtmauer (am Lindenbühl) verlief paralell zu dieser Planungsachse. Rechtwinklig dazu waren z.B. die Breitenstraße und Mei0nersgasse, die Stätte, die Grasegasse und Bollstedter Gasse u.a. angeordnet.


Neuausrichtung der Planungsachse

Der Bau I der Marienkirche war ursprünglich auf der Mittelachse der geplanten via triumphalis errichtet worden, die auch der paralell verlaufenden Achse von St.Nikolai in Görmar zur St.Blasiuskirche der Altstadt entsprach.
Die Neuausrichtung der Marienkirche (Bau II) zur Martinikirche in Görmar brachte somit nicht nur eine Neuausrichtung der Kirchenachse, sondern auch eine Neuausrichtung der Stadtplanung mit sich.


Bau II der Marienkirche
 Der Bau II der Marienkirche war so zum bestimmenden Faktor der Stadtplanung für die Neustadt und für die Gesamtstadt geworden.
Mehrere Straßen und Gassen wurden paralell oder rechtwinklig zur neuen Hauptachse angelegt und auch für die Stadtmauer und deren Tore ergaben sich von hier neue Einordnungen.
Damals bildete sich der Straßenverlauf der heutigen Innenstadt heraus, der sich bis heute nicht wesentlich verändert hat.




Reichsburg - Herrschaftssitz und zentraler Planungspunkt
Die königliche Reichsburg Mühlhausen war im 11. - 13. Jahrhundert nicht nur der politische Mittelpunkt des nordthüringer Reichsgutbezirkes, sondern auch ein wichtiger Punkt für die Einordnung von Bauten und Straßen im Mittelalter.
Hier residierten die Kaiser und Könige auf ihren Zügen durch das Land und hier residierte in Abwesenheit des Königs der von ihm eingesetzte Präfekt..., meist ein hoher Adliger.
Als Heinrich der Löwe im Jahre 1180 die Königsstadt teilweise abbrannte, waren wohl besonders die Burg und die festen Höfe der Vorburg beeinträchtigt worden. Aber die Burg muß wohl bald wieder neu aufgebaut worden sein, denn schon in den neunziger Jahren fanden hier wieder wichtige Tagungen statt und 1198 wurde hier Philipp von Schwaben zum deutschen König gewählt. 


... zur nächsten Königspfalz ..
 Nur zehn Jahre später war der Welfe Otto IV. deutscher Kaiser, der aber dann Friedrich II. dem Enkel Barbarossas weichen mußte.
In diese Zeit der Umbrüche dürfte auch die Neugestaltung der Königsstadt Mühlhausen und der Bau der Stadtmauer gefallen sein.
Die Könige residierten jetzt vorwiegend im Westen des Landes oder in Italien und im Interegnum, der kaiserlosen Zeit (ab 1254)., zerfiel die Macht der Könige und die Macht der Fürsten und des Adels nahm immer mehr zu, was natürlich zu ständigen Kämpfen führte. 

Stadtmauerbau - Anfang des 13.Jhs.
 Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die königliche Stadt mit einer Stadtmauer umgeben. Aus der Marktsiedlung bei St.Kiliani, der Altstadt bei St.Blasius, der Neustadt mit St.Marien und dem Jakobiviertel mit der Jakobikieche, hatte sich ein 49 ha großes Stadtareal herausgebildet, das jetzt als "des Reiches Stadt" entsprechend befestigt wurde.


Stadtbildung im 12.-13.Jh.
Noch war damals die königliche Reichsburg der beherrschende Teil dieser Stadt, die allerdings sowohl in der Altstadt am Untermarkt und in der Neustadt am Obermarkt bürgerliche Rats- und Gerichtsgebäude besaß.
Eine wichtige Stellung hatte wohl auch der vermutete Vorgängerbau des Rathauses, der an der Nahtstelle zwischen Alt- und Neustadt sowie dem Jakobiviertel lag. Hier könnte sich der Verwaltungssitz des Reichsschultheißen bzw. Präfekten befunden haben. Einen Wohnturm als wahrscheinlichen Rathausvorgängerbau hatten Sünder und Mahr nachgewiesen.
Die Skizze zeigt auch noch deutlich die Entwicklung der alten Straßen der Stadt auf. Während in der Altstadt und der angrenzenden östlichen und westlichen Bebauung die Straßen wohl überwiegend nach den alten Wegeführungen verliefen, wird in der Neustadt die geplante rechtwinklige Anordnung deutlich.


Planung der inneren Stadttore
 Die besondere Stellung des Rathausvorgängerbaues wird auch durch seine Verwendung als Bezugspunkt bei der Einordnung der Stadttore deutlich. So hatte bereits Bühner diesen Punkt und die entsprechende Zuordnung  der ersten Stadttore (Burgpforte, Görmartor, Erfurter Tor, Felchtaer Tor und Frauentor) aufgezeigt, die den Beweis für diesen Punkt Anfang des 13. Jahrhunderts belegt.



Felchtaer Tore im 13.Jh.
Die inneren Stadttore erhielten dann noch noch entsprechende Vortore, die durch Zwingermauern mit dem Haupttor verbunden waren, wie hier beim inneren und mittleren Felchtaer Tor.
Die Stadttore wurden bei Sonnenaufgang geöffnet und bei Sonnenuntergang geschlossen und außer dieser Zeit mußte ein entsprechendes Torgeld an den Torwächter, der im Turm wohnte, gezahlt werden. 


.. mittelalterliche Stadt ..
 Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Bürger der Stadt zahlreiche Privilegien errungen und sie trennten 1251 die Königsburg durch eine Trennmauer von "ihrer" Stadt ab.
In der kaiserfreien Zeit zerstörten sie dann im Jahre 1256 sogar die Reichsburg und setzten so die Selbstverwaltung der Stadt durch den Rat durch. Ein Teil der Ministerialen passte sich den neuen Verhältnissen an und gehörten als bedeutende Grundbesitzer neben den reichen Bürgern bald dem "edlen Rat" an.
Ende des 13. Jahrhunderts wurde dann noch die Breitsülze zur Oberstadt geleitet und bald floss durch alle Straßen der Stadt ein Straßenbach. Und auch der Nah- und Fernverkehr floss durch "das feste Srädtelein", das durch zahlreiche Fernstraßen mit dem Umland verbunden war.


Feudalhof im 13.Jh.
Die Feudalhöfe der Ministerialen in der Stadt verschwanden zwar nach und nach, aber auf dem Lande  hatte der Feudaladel noch lange das Sagen. Einige Straßennamen erinnern heute noch an den Sitz der "edlen Geschlechter".., wie die Körnergasse, die Bollstedter Gasse,
Einige der Ministerialen waren 1256 "der Stadt Feinde geworden" und besonders die Ritter aus dem Eichsfeld überfielen in der Folgezeit immer wieder "die reichen Pfeffersäcke" und ihre Dörfer.



"Kutschwagen" im 13.Jh.
Die Straßen waren unsicher zu dieser Zeit und die Fuhrleute waren nicht nur Räubern, sondern auch feindlichen Rittern ausgeliefert.
Die Stadt war mehreren Städtebünden beigetreten und es wurden "Geleitstraßen" eingerichtet, wo die Fuhrleute gegen ein Entgelt von Bewaffneten begleitet wurden.
Wer damals von Ort zu Ort wollte, musste sich schon auf "Schusters Rappen" verlassen, denn zu Pferd bewegten sich überwiegend nur Adlige und Krieger auf den Straßen und das Reisen mit den schwerfälligen Kastenwagen auf den holprigen "Straßen" war auch nicht das reine Vergnügen.


Straßen im Reichsgutbezirk Mühlhausen
Um 1300 war das Umland der Stadt noch von den Landsitzen der ehenaligen Ministerialen bestimmt, die jetzt zum erblichen Adel gehörten. Aber nach und nach erwarb die jetzt freie Reichsstadt immer mehr Dörfer von den adligen Besitzern.
Mühlhausen wurde zu einem wichtigen Zentrum in Nordthüringen und war jetzt durch zahlreiche wichtige Fernstraßen mit den Städten im ganzen Reich verbunden.



Im nächsten Teil 4 soll die Zeit vom 14. bis 18. Jahrhundert aufgezeigt werden..
Eine Zeit, die zwar für die Stadt keine wesentlichen Veränderungen im Straßenbild brachte.., aber dafür ein ständiges Auf- und Ab in der Entwicklung der noch freien Reichsstadt.














Donnerstag, 28. Juni 2012

10) Straßen in und um Mühlhausen - Teil 2 -

Mühlhausen im 10. - 12.Jh.
Mühlhausen im 10. bis 12. Jahrhundert ...

.. zeigt sich als eine Königsstadt, in der die Reichsburg (1) sowohl politisch und auch planerisch eine bedeutende Stellung einnahm.
Die Altstadt (2) mit der St.Blasiuskirche als Mittelpunkt, hatte sich im 10.Jahrhundert nach der ersten Ansiedlung bei St.Georgi (3) und der nachfolgenden Martksiedlung bei St.Kiliani (4) gebildet.
Neben den frühen Ansiedlungen bei St.Jakobi / St.Nikolai (Wasserfelchta) und am Plänchen, entstand dann die geplante Neustadt mit der Königskirche St.Marien..
Im Zuge dieser Planung war wohl auch der alte Hessenweg (A) von der Oberstadt über den Galgenberg (heute Schützenberg) und von dort durch die Pfafferöder Höhle auf den Tonberg verlegt worden. Über die heutige Rosenstraße führte wohl damals ein Verbindungsweg zur Altstadt bei St.Jakobi.
In der Altstadt selbst waren schon damals die heutige Erfurter Straße, die Felchtaer Straße, sowie die heutige Röbling- und Görmarstraße vorhanden und auch im Vorburgbereich und bei Sr.Jakobi gab es bereits alte Straßenführungen.

Planung der Neustadt
 Wahrscheinlich im 11. Jahrhundert könnte die Planung der Neustadt, nach trigonometrischen Gesichtspunkten erfolgt sein.
Es war damals in wichtigen Städten des Reiches üblich, bedeutende Kirchen als Ausgangs- und Zielpunkte zu wählen, nach denen andere Bauten und Straßen eingeordnet wurden.
So dürfte die ehemalige Königskirche St.Nikolai in dem Hauptort der Germaramark als wichtiger Bezugspunkt gedient haben.
Das nebenstehende von mir ermittelte Schema zeigt, daß sehr wahrscheinlich nach der Hauptlinie St.Nikolai in Görmar zur St.Blasiuskirche der Altstadt, eine zielgerichte Planung der Neustadt  erfolgte, denn die Paralell-Linien und die rechtwinkligen Straßenanordnungen der Oberstadt passen genau in dieses Planungsschema..

.. die geplante VIA TRIUMPHALIS ..
Noch interessanter wird dieses Planungsschema, wenn man es mit der von Aulepp vermuteten via triumphalis - einer platzähnlichen breiten Königsstraße - in der Neustadt vergleicht.
Während die Linie der geplanten Nordseite zum Planungspunkt auf der Reichsburg führt, bildet die südliche Linie die Begrenzung der Bebauung auf der Südseite des Blobachs und in der Herrenstraße ... und genau auf der Mittellinie dieser Konstruktion lag der erste Bau der Marienkirche, noch in seiner ehemaligen Ausrichtung ..
Auch die rechtwinklige Anordnung einiger damals entstandenen Straßen zu dieser Konstruktion (wie die Breitenstraße, Grasegasse, Ratstraße, Bastnarkt u.a.) sowie die Anordnung von St.Jakobi nach einer Paralell-Linie zur älteren St.Martinskirche in Görmar läßt sich mit diesem Planungsschema erklären.
Alles nur Zufall ..??

Kaiser Otto II.
 Die Königsstadt Mühlhausen war ja damals als Pfalzstadt Eigentum des Königs bzw. des Reiches. Vom König eingesetzte Adlige bzw. Ministerialen verwalteten und schützten die Stadt und den dazu gehörenden Reichsgutbezirk.
Die Kaiser und Könige hatten damals keine feste Residenz sondern regierten das Land in den verschiedenen Königspfalzen, wo dann meist bei Anwesenheit des Königs bzw. Kaisers wichtige Beschlüsse gefasst wurden.
Besonders zwischen diesen Pfalzorten wurden die alten frühmittelalterlichen Straßen zu Heer- bzw. Königsstraßen ausgebaut.., wobei sie allerdings immer noch besseren Feldwegen glichen . Die wachsende Königsstadt wurde aber nach geometrischen Gesichtspunkten weiter entwickelt.


Konigsburg im 11.Jh.
 So wurde der fränkische Königshof in Mühlhausen nach und nach zur ottonisch-salischen Reichsburg ausgebaut, zu der wahrscheinlich noch zwischen der Grasegasse und der Hauptmannsstraße eine Vorburg bestand, die als Ganerbenburg Sitz wichtiger Ministerialen war. Von dieser Burg aus wurden dann zahlreiche Einordnungen wichtiger Bauten vorgenommen.
Auch im übrigen Stadtgebiet und in den Dörfern des Reichsgutbezirkes gab es Feudalhöfe dieser Ministerialen, die sich dann oft nach ihren Lehen benannten. (z.B. die Herren von Görmar, von Bollstedt, von Weidensee, von Windeberg, von Körner usw.)
.. auf der Heerstraße ..
Wichtig waren damals die Heer- und Königsstraßen, die als Verbindungsstraße zwischen Pfalzorten und als Fernstraßen für Kriegszüge dienten.
So die Heerstraße (B - I) von Heiligenstadt über Mühlhausen nach Gebesee bei Erfurt, der alte Hessenweg (A - H) von Eschwege über Mühlhausen in den Osten, sowie die Lange Straße (J - E) von Meiningen über Mühlhausen in den Harz ....




.. die Sradr entsteht ..
 Wichtig waren aber auch die Handelswege, die zu den Märkten im Lande führten. Märkte durften damals nur an den vom König dazu priviligierten Orten stattfinden, wobei in der Königsstadt Mühlhausen - die ja dem König gehörte - ein solches Privileg entfiel.
So war dann auch der erste erwähnte Markt bei St.Kiliani ein weiterer wichtiger Platz, wo sich die Händler ansiedelten und hier kreuzten sich auch die wichtigen Straßen von Süden nach Norden mit den Ost - West-Straßen ..


.. auf dem Markt ..
 An den Märkten mußten dann entsprechende Zölle für die Ware entrichtet werden..., der königliche Zöllner war wohl ein wichtiger Adliger, bei der Zöllnersgasse in der Nähe des Feudalhofes am Entenbühl könnte der Sitz des Zöllners gelegen haben.. und südlich dieses Feudalsitzes bildete sich dann die Altstadt mit der St.Blasiuskirche ..






Altstadt mit St.Blasius
Der Untermarkt mit der St.Blasiuskirche war dann ebenfalls ein Kreuzungspunkt wichtiger Straßen.. Hier führte vom Hessenweg beim Galgenberg über die Rosenstraße und die Felchtaerstraße, der Weg vom Untermarkt über die Erfurterstraße und Langensalzaer Straße nach Südosten .. und von der Straße aus Eisenach über die Vogtei kam der Weg durch die Spielbergstraße zum Untermarkt und führte durch die jetztige Röblingstraße und Görmarstraße zur Unstrutfurt bzw der späteren Wagenstedter Brücke. 

Weber im 12.Jh.
 Mühlhausen entwickelte sich nach und nach und Händler, Ackerbürger und Handwerker lösten sich allmählich aus der feudalen Abhängigkeit.
Bürger konnte aber nur werden, wer ein entsprechendes Bürgergeld zahlte, so daß die übrige "Unterschicht" als Untertanen oder Mitwohner bzw. Hintersassen  bezeichnet wurden ..
Besonders die Weberei entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, wozu der Flachsanbau (Leineweber) und die Schafzucht (Wollweber) besonders mit beitrug.





Königshof im 12.Jh.
 Wichtig waren damals auch die Verbindungsstraßen zu den weiteren Königshofen des Reichsgutbezirkes und den festen Höfen oder Burgen der Ministerialen und des Feudaladels.
So gab es Königshöfe in Eschwege, Frieda, Heiligenstadt, Worbis, Nordhausen, Tilleda, Sondershausen, Ebeleben, Schlotheim und Körner .. und Burgen bzw. feste Höfe des Adels gab es in zahlreichen Orten der Umgebung.
(Die Königsburg von Tuttensoda am Rande des Reiserschen Tales, die Otto II. seiner Gemahlin schenkte und an der die Lange Straße in den Norden führte, verschwand aber schon im 15.Jh. und bald auch die alte Straße..)

.. auf dem Handelsweg ..
Wichtig waren aber auch besonders die Handelsstraßen, denn viele Waren mußten von den Fuhrleuten oft von weit her transportiert werden.. Aber lange noch waren auch die Fernstraßen nur bessere Feldwege, die Anfangs überwiegend als Höhenstraßen angelegt waren, um lästige Flußdurchquerungen zu vermeiden..
An einigen Berghängen entstanden dann oft ausgefahrene Hohlwege, von denen die Pfafferöder Höhle und die Erfurter Höhle, zumindest dem Namen nach heute noch künden.

Donnerstag, 21. Juni 2012

9) Straßen in und um Mühlhausen - Teil 1

Germaramark im 8.Jh.

Mühlhausen ...

war im germanischen Königreich Thüringen der Hauptort des Westergaues.., erhielt aber den jetztigen Namen erst unter den Franken, die entlang der Germaramark, dem fränkisch-sächsischen Grenzgebiet zahlreiche Orte mit der Endung -HAUSEN gründeten ..






MÜHL-HAUSEN
Der Ort an der wichtigen Unstrutfurt besaß schon früh eine Mühle und erhielt so den Namen Mühl-hausen ..
Hier kreuzten sich schon früh wichtige Fernstraßen.., wie die Straße aus Südwestdeutschland über Eisenach - Mühlhausen - Sondershausen in Richtung Magdeburg (A)
Auch der alte Hessenweg von Kassel -Eschwege - Mühlhausen in Richtung Osten (B) und die Königsstraße von Göttigen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Erfurt (C) .., sowie die Lange Straße aus dem Westharz über Mühlhausen zum Thüringer Wald in Richtung Bayern (D)
 waren wichtige Fernstraßen, die sich in der Königspfalz kreuzten ..
So bildete sich in unmittelbarer Nähe der wichtigen Unstrutfurt (.. bei der heutigen Wagenstedter Brücke ..) die fränkische Ansiedlung Mühlhausen, die wohl neben der Wassermühle auch eine Kirche oder Kapelle, die spätere Georgikirche, erhielt.

Königspfalz
Auf der untenstehenden Karte wird die frühe  Entwicklung der Königspfalz Mühlhausen und die mögliche Führung der frühen Fernstraßen aufgezeigt.
Westlich der fränkischen Ansiedlung bei St.Georgi (1) enstand wohl zuerst ein fränkisch-ottononischer Königshof, der dann zur königlichen Pfalzburg (2) weiter entwickelt wurde und im Süden hatte sich schon früh die Marktsiedlung bei St.Kiliani (3) entwickelt.
Aber auch am Plänchen (4) und der vermuteten alten Siedlung Wasserfelchte zwischen St.Jakobi und St.Nikolai (5) dürfte es alte Marktplätze und kleinere Ansiedlungen gegeben haben.


Marktsiedlung St.Kilian
Bei der Ansiedlung von St.Georgi (1) trafen die alten Fernstraßen aus dem Westen und Nordwesten (A, B und C) auf die Nord-Südstraße (D - H) von der bei St.Kiliani (3) die Straßen nach Südosten (G) und Südwesten (I) abzweigten ..







Heerstraße
Zu den wichtigsten Fernstraßen dürfte schon damals der alte Hessenweg (A) gehört haben, der von Kassel über Eschwege, Frieda und Lengenfeld unterm Stein nach Eigenrieden und von dort vorbei an Pfafferode über den Tonberg und den Alten Blobach zum Plänchen führte, von wo es entweder direkt zum Königshof oder nördlich an diesem vorbei, zur Nord-Südstraße und damit zur Unstrufurt ging.
Vor dem späteren Kaisertor am Ende des Alten Blobachs traf der alte Hessenweg mit der Königsstraße (B) zusammen, die aus Göttingen und Heiligenstadt kommend über Dörna und Hollenbach und die heutige Mittelstraße hier her führte.
Die alte Straße in den Norden über Ammern - Dachrieden -Hüpstedt (C) führte Anfangs westlich der Unstrut bei St.Daniel (.. am Danielsgraben ..) zum Unterdorf in Ammern und an der Luhne entlang über die Mark in Richtung Dachrieden.. Sie könnte anfangs von der heutigen Feldstraße nördlich des Königshofes oder vom Plänchen durch die heutige Ammerstraße ihren Anfang genommen haben.
Handelsweg
 Von der Unstrutfurt bei der heutigen Wagenstedter Brücke führten schon früh drei wichtige Straßen nach Norden und Nordosten.
Die Lange Straße (D) kam aus Nord-deutschland  westlich am Harz vorbei (Goslar) und führte an der Burg Tuttensode bei Reiser vorbei nach Mühlhausen, von wo sie über die Erfurter Höhle (H) in Richtung Waltershausen und über den Thüringer Wald und Meiningen in den Süden führte.   





Mühlhausen im 9.Jh.
Der Saalfelder Weg (E) führte über den Forstberg und Saalfeld zum Dün und von dort nach Nordhausen.., während die Fortführuing des Hessenweges (F) über Görmar, Grabe, Körner und Schlotheim in Richtung Osten führte..
Aus dem Erfurter Raum bei Gebesee kam eine alte Heerstraße (G) über Tennstedt und Bollstedt, die über den Schadeberg nach Altmühlhausen bei St.Georgi führte..

Die nach Süden führende Lange Straße (H) .., die von der Unstrutfuhrt über die Kilianistraße und durch die Erfurter Höhle verlief.., wurde bereits erwähnt.., an ihr lag der vom König priviligierte Markt bei St.Kiliani (3)
Von diesem Markt zweigte wohl auch die alte Straße nach Südwesten (I) ab, die über die heutige Görmarstraße, Röblingstraße, Untermarkt, Spielbergstraße und Dorlaer Platz nach Felchta und über die Vogtei und Eisenach in den Südwesten führte. An dieser Straße lag wohl auch die alte Ansiedlung von Wasserfelchte(5), von wo wahrscheinlich auch eine Verbindungsstraße zum Königshof (2) führte..

Zu diesem Zeitpunkt im 8. bis 9.Jahrhundert gab es wohl im Bereich der Altstadt (Untermarkt) noch keine städtische Bebauung, vielleicht aber schon einzelne Höfe königlicher Dienstleute ... und die Neustadt mit dem Obermarkt entstand sowieso noch später ..

Davon soll in den weiteren Teilen noch berichtet werden ..